Wieso Barfußlaufen?

Barfußlaufen? Was soll das überhaupt?

Ist Barfußlaufen nur ein Trend oder steckt mehr dahinter? Die Frage beantwortet sich, wenn Du Dir erlaubst, tiefer in das Thema einzutauchen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wären Barfußläufer naturverbundene oder extrovertierte, extravagante Spinner, die vielleicht besonders auffallen wollen. Beschäftigt man sich jedoch mit den Hintergründen, die fürs Barfußlaufen sprechen, ist es möglich, anders darüber zu denken.

Schild Barfuß

Dieser Beitrag erhebt nicht den Anspruch, einen tiefgehenden Einblick zu verschaffen, der sämtliche wissenschaftliche Erkenntnisse beinhaltet. Wer mehr wissen möchte, als wir hier zu diesem Thema schreiben, der ist gerne eingeladen, ein Seminar, einen Workshop oder ein persönliches Coaching bei uns zu besuchen. Wir halten es für sinnvoller, Theorie mit Erfahrung zu verbinden. Dann merkst Du direkt, ob die Theorie bloß eine solche ist oder tatsächlich Relevanz für Deine Gesundheit haben kann.

Der heutige Fuß

Wann warst Du das letzte Mal Barfußlaufen? Hast Du Deine Füße einmal in ihrer Perfektion bewusst wahrgenommen? Bringst Du ihnen Wertschätzung und Achtung entgegen? Ohne unsere Füße würden wir nicht Gehen, Laufen, Rennen, Springen können. Der übliche Umgang jedoch ist (vor allem bei den Männern), die Füße zu verstecken. Sie werden sogar oftmals als ekelig oder zumindest als unrein angesehen. Wir sind selber schon öfters gebeten worden, aus hygienischen Gründen, Schuhe anzuziehen, beispielsweise in Museen. Wir halten also Schuhe, unter denen sich in den Ritzen der Profile über Jahre wer weiß was sammelt, für reiner als Füße, die leicht jeden Abend gesäubert werden können.

Schuhe

Aus verschiedenen Gründen verpacken wir unsere Füße in Schuhe. Sicherheit und Kälteschutz werden hier am häufigsten angegeben, aber auch die Mode spielt eine große Rolle. Nun wären Schuhe grundsätzlich nicht unbedingt ein großes Problem, wenn die modische Form den Fuß nicht unnatürlich verformen würde. Dadurch verändert sich die Statik des Körpers und die Biomechanik der Bewegungen. Es gibt derzeit keinen uns bekannten Schuh, egal ob übliche Schuhe oder auch sogenannte Barfußschuhe, der sich nicht ungünstig auf die natürlichen biomechanischen Abläufe unserer Füße auswirkt. Natürlich gibt es jede Menge Abstufungen, was den Grad der Unnatürlichkeit angeht. Ganz oben auf der Schadensliste stehen Absatzschuhe und alle Schuhe, die im Zehenbereich sichtlich schmal zulaufen.

Eine schöne Zusammenfassung hat die Fernsehsendung Quarks&Caspers dazu ausgestrahlt:

Biomechanik

Die Biomechanik unserer Füße kann nicht besser konstruiert sein, als sie es von der Natur wurde. Durch unsere Federmechanismen (Achillessehne und Plantarfaszien, also die Strukturen unserer Fußsohlen) können wir, bei optimaler Ausnutzung mit optimalem Energieverbrauch sehr sehr lange Strecken teilweise mit hohen Geschwindigkeiten laufen. Es gibt kein Säugetier, das uns hier das Wasser reichen kann. Auf langen Strecken ist der Mensch wohl das effektivste laufende Geschöpf. Der Mensch ist der perfekte Langstreckenläufer.

Barfußlaufen
Trend oder Entdeckung der Natürlichkeit?

Unnatürliche Technik

Mit dem Einzug der Joggingschuhe Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich die Lauftechnik verändert. Der natürliche Vorderfußlauf hat sich in Richtung des Fersenlaufs gewandelt. Dies war nur durch eine starke Polsterung der Ferse möglich. Diese Pufferung kann jedoch nicht stark genug sein, um die enormen Kräfte (rund das 4 fache des Körpergewichts) abzufedern, die beim Laufen auf den Bewegungsapparat wirken. Dies und die Einengung der Zehen führt in der Biomechanik zu Pronations- (Innenrotation) ober Suppinations- (Außenrotation) Bewegungen. Diese stressen die Fußgelenke, Kniegelenke, Hüftgelenke und letztlich den gesamten Bewegungsapparat. Die Folgen sind die bekannten Laufverletzungen wie z.B. IT-Band-Syndrom, Läuferknie, Shin Splints, Nackenschmerzen, Hüft- und Kreuzschmerzen, Plantar Fasciitis, Verhärtung der Hamstrings.

Natürliche Lauftechnik

Natürlich muss man bei der Betrachtung einer natürlichen Lauftechnik die verschiedenen Gangarten des Menschen berücksichtigen. Das Gehen unterscheidet sich vom Laufen und der Sprint ist wieder eine ganz andere Technik. Natürlich, also als Kind, bekommen wir diese Techniken mitgeliefert. Im Laufe unserer Adaptionsphase der Kindheit, in der wir lernen, dass Barfußlaufen nicht den gesellschaftlichen Normen entspricht und es besser ist, alles wie die Großen zu tun, lernen wir neue Techniken und ersetzen die alten. Die natürlichen Techniken sind jedoch vorhanden und müssen lediglich wieder herausgearbeitet werden. Das ist also nicht zu vergleichen damit, etwas völlig Neues zu erlernen. Dein Körper wird lediglich erinnert und freut sich, sich endlich wieder natürlich bewegen zu dürfen.

Um diese Erinnerung zu aktivieren, kannst Du entweder eines unserer Seminare oder Workshops besuchen oder wir arbeiten in einer 1 zu 1 Lernsituation in einem persönlichen Coaching.

Fußfehlstellungen

Je nachdem wie flexibel der Körper ist, machen sich Deformationen wie der Hallux Valgus, Hammerzehen oder Fehlstellungen leichter oder stärker bemerkbar. Eine Operation wird meist gewählt, wenn die Schmerzen durch die Versteifung des Gelenks größer werden. Es ist jedoch möglich, erstaunliche Erfolge durch zielgerichtetes Fuß- und Zehtraining zu erzielen. Eine Operation birgt viele Risiken und nicht selten kommt es zu unerwarteten Ergebnissen. In Absprache mit dem Therapeuten ist es vielleicht möglich, zunächst mit schonenden Methoden zu arbeiten. Wir sind gerne bereit, hier unsere Erfahrung mit beizusteuern, auch im Gespräch mit Therapeuten und Operateuren.

Sicherheit

Zu Anfang dieses Beitrags haben wir über die Gründe geschrieben, wieso Schuhe getragen werden. Das modische Thema muss jeder mit sich selber ausmachen. Barfußschuhe anstelle herkömmlicher zu tragen, ist sicherlich schon ein guter Schritt.

Nun aber zur Sicherheit. Unsere Füße sind nicht nur biomechanisch ein Wunderwerk, denn sie schützen uns vor einem starken Aufprall und auch vor physikalischen und thermischen Einwirkungen. Die meisten Interessenten am Barfußlaufen haben Sorgen vor spitzen Steinchen oder Glasscherben. Wir haben hierzu kleine Videosequenzen gedreht, die zeigen, was ein Fuß, der wieder renaturiert wurde, locker vertragen kann.

Hierzu ist es natürlich nötig, die Fußsohlen wieder aufzubauen. Das geht jedoch ganz einfach. Du musst lediglich barfußlaufen. Es baut sich dadurch unter der Fußsohle Baufett auf und die Lederhaut wird robuster. Glasscherben oder Steinchen werden beim Drauftreten somit von der Haut umschlossen und beim Anheben des Fußes wird durch die Elastizität der Fußsohle der Störenfried wieder abgeworfen.

Was die Temperatur angeht, ist es so, dass sich mit dem Barfußlaufen das gesamte Kälteempfinden verändert. Daniel läuft bis zu kleinen Minusgraden barfuß. Spätestens darunter kommen Sohlen (Luna Sandals) und spezielle Fließsocken (Tabisocken) unter die Füße. Dies sollte jedoch nicht dogmatisch praktiziert werden, sondern sich immer dem individuellen Empfinden anpassen. Wer sich das jedoch nicht vorstellen kann, der sollte an Pfarrer Sebastian Kneipp denken, der mit kalten Güssen, gerade über die Füße, besondere Heilerfolge erzielte. Er beobachtete lahmende Rinder, die sich mit ihrem Unwohlsein in eiskalte Bachläufe stellten und zog daraus Schlüsse. Schlau, sich an der Natur zu orientieren, nicht wahr? Nun denn… 😉

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