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Barfußlaufen? Was soll das überhaupt?

Ist Barfußlaufen nur ein Trend oder steckt mehr dahinter? Die Frage beantwortet sich, wenn Du Dir erlaubst, tiefer in das Thema einzutauchen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wären Barfußläufer naturverbundene oder extrovertierte, extravagante Spinner, die vielleicht besonders auffallen wollen. Beschäftigt man sich jedoch mit den Hintergründen, die fürs Barfußlaufen sprechen, ist es möglich, anders darüber zu denken. Dieser Beitrag erhebt nicht den Anspruch, einen tiefgehenden Einblick zu verschaffen, der sämtliche wissenschaftliche Erkenntnisse beinhaltet. Wer mehr wissen möchte, als wir hier zu diesem Thema schreiben, der ist gerne eingeladen, ein Seminar, einen Workshop oder ein persönliches Coaching bei uns zu besuchen. Wir halten es für sinnvoll, Theorie mit Erfahrung zu verbinden. Dann merkst Du direkt, ob die Theorie bloß eine solche ist oder tatsächlich Relevanz für Deine Gesundheit hat.

Der heutige Fuß

Wann warst Du das letzte Mal Barfußlaufen? Hast Du Deine Füße einmal in ihrer Perfektion bewusst wahrgenommen? Ohne unsere Füße würden wir nicht Gehen, Laufen, Rennen, Springen können. Der übliche Umgang jedoch ist, die Füße zu verstecken. Sie werden sogar oftmals als ekelig oder zumindest als unrein empfunden. Ich bin selber schon öfters gebeten worden, aus hygienischen Gründen, Schuhe anzuziehen, beispielsweise in Museen. Wir halten also Schuhe, unter denen sich in den Ritzen der Profile über Jahre wer weiß was angesammelt hat, für reiner als Füße, die leicht durch Abstreifen gesäubert werden können.

Schuhe

Aus verschiedenen Gründen verpacken wir unsere Füße in Schuhe. Sicherheit und Kälteschutz werden hier am häufigsten angegeben, aber auch die Mode spielt eine große Rolle. Nun wären Schuhe grundsätzlich nicht unbedingt ein großes Problem, wenn die modische Form den Fuß nicht unnatürlich verformen würde. Dadurch verändert sich die Statik des Körpers und die Biomechanik der Bewegungen. Es gibt derzeit keinen uns bekannten Schuh, egal ob übliche Schuhe oder auch sogenannte Barfußschuhe, der sich nicht ungünstig auf die natürlichen biomechanischen Abläufe unserer Füße auswirkt. Natürlich gibt es jede Menge Abstufungen, was den Grad der Unnatürlichkeit angeht. Ganz oben auf der Schadensliste stehen Absatzschuhe und alle Schuhe, die im Zehenbereich sichtlich schmal zulaufen. Eine schöne Zusammenfassung hat die Fernsehsendung Quarks&Caspers dazu ausgestrahlt: https://www.youtube.com/watch?v=bosP3uDu0oM

Biomechanik

Die Biomechanik unserer Füße kann nicht besser konstruiert sein, als sie es von der Natur wurde. Durch unsere Federmechanismen (Achillessehne und Plantarfaszien, also die Strukturen unserer Fußsohlen) können wir, bei optimaler Ausnutzung mit optimalem Energieverbrauch sehr sehr lange Strecken sogar mit hohen Geschwindigkeiten laufen. Es gibt kein Säugetier, das uns hier das Wasser reichen kann. Auf langen Strecken ist der Mensch wohl das effektivste laufende Geschöpf. Der Mensch ist der perfekte Langstreckenläufer. Nur ein Trend oder Neuentdeckung der Natürlichkeit?

Unnatürliche Technik

Mit dem Einzug der Joggingschuhe Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich die Lauftechnik verändert. Der natürliche Vorderfußlauf hat sich in Richtung des Fersenlaufs gewandelt. Dies war nur durch eine starke Polsterung der Ferse möglich. Diese Pufferung kann jedoch nicht stark genug sein, um die enormen Kräfte (rund das 4 fache des Körpergewichts) abzufedern, die beim Laufen auf den Bewegungsapparat wirken. Dies und die Einengung der Zehen führt in der Biomechanik zu Pronations- (Innenrotation) ober Suppinations- (Außenrotation) Bewegungen. Diese stressen die Fußgelenke, Kniegelenke, Hüftgelenke und letztlich den gesamten Bewegungsapparat. Die Folgen sind die bekannten Laufverletzungen wie z.B. IT-Band-Syndrom, Läuferknie, Shin Splints, Nackenschmerzen, Hüft- und Kreuzschmerzen, Plantar Fasciitis, Verhärtung der Hamstrings.

Natürliche Lauftechnik

Natürlich muss man bei der Betrachtung einer natürlichen Lauftechnik die verschiedenen Gangarten des Menschen berücksichtigen. Das Gehen unterscheidet sich vom Laufen und der Sprint ist wieder eine ganz andere Technik. Natürlich, also als Kind, bekommen wir diese Techniken mitgeliefert. Im Laufe unserer Adaptionsphase in der Kindheit, in der wir lernen, dass Barfußlaufen nicht den gesellschaftlichen Normen entspricht und es besser ist, alles wie die Großen zu tun, lernen wir neue Techniken und ersetzen die alten. Die natürlichen Techniken sind jedoch vorhanden und müssen lediglich wieder herausgearbeitet werden. Das ist also nicht zu vergleichen damit, etwas völlig Neues zu erlernen. Dein Körper wird lediglich erinnert und freut sich, sich endlich wieder natürlich bewegen zu dürfen. Wir erarbeiten in unseren Angeboten also nichts Neues, sondern lediglich natürliche, vorhandene Muster wieder hervor.

Fußfehlstellungen

Unsere Füße, die Basis unserer natürlichen Fortbewegung, werden heute nicht mehr natürlich und ausreichend benutzt. Die Folgen sind häufig Senk-, Spreiz-, Hohl- oder Plattfüße oder Deformationen wie veränderte Zehengelenke (z.B. Hallux Valgus oder der Hammerzeh). Fuß-, Knie- und Rückenschmerzen gehören heute zu den Zivilisationskrankheiten. Durch das ungenügende und falsche Benutzen der Füße, verlieren sie an Kraft und Mobilität oder neigen zu Verkrampfungen. Sie stehen nicht mehr sicher und damit fehlt die Grundlage fürs natürliche, schmerzfreie Gehen und Laufen. Viele körperliche Beschwerden entstehen durch diese Ursachen. Eine Operation wird meist gewählt, wenn die Schmerzen durch die Versteifung des Gelenks größer werden. Es ist jedoch möglich, erstaunliche Erfolge durch zielgerichtetes Fuß- und Zehtraining zu erzielen. Eine Operation birgt Risiken und nicht selten kommt es zu unerwarteten Ergebnissen. In Absprache mit dem Therapeuten ist es vielleicht möglich, zunächst mit schonenden Methoden zu arbeiten. Wir sind gerne bereit, hier unsere Erfahrung mit beizusteuern.

Sicherheit

Unsere Füße sind nicht nur biomechanisch ein Wunderwerk, denn sie schützen uns vor einem starken Aufprall und auch vor physikalischen und thermischen Einwirkungen. Die meisten Interessenten am Barfußlaufen haben Sorgen vor spitzen Steinchen oder Glasscherben. Wir haben hierzu kleine Videosequenzen gedreht, die zeigen, dass der geübte Fuß nicht so leicht verletzt wird, wie meist angenommen. Weitere Informationen geben wir gerne persönlich.

Hierzu ist es natürlich nötig, die Fußsohlen wieder aufzubauen. Das ist ganz einfach, erfordert lediglich Übung und etwas Geduld. Ein Plan zum Aufbau kann sinnvoll sein, wenn Du Blasenbildung vermeiden willst. Es baut sich dadurch unter der Fußsohle Baufett auf und die Lederhaut wird robuster. Glasscherben oder Steinchen werden beim Drauftreten somit von der Haut umschlossen und beim Anheben des Fußes wird durch die Elastizität der Fußsohle der Störenfried wieder abgeworfen. Was die Temperatur angeht, ist es so, dass sich mit dem Barfußlaufen das gesamte Kälteempfinden verändert. Ich laufe bis zu kleinen Minusgraden barfuß. Wenn es noch kälter wird, kommen Sohlen (z.B. Luna Sandals) und ggf. spezielle Fließsocken (Tabisocken) an die Füße. Wenn Du es ausprobierst, halte Dich an Dein individuelles Empfinden. Wer sich das Ganze nicht vorstellen kann, der sollte an Pfarrer Sebastian Kneipp denken, der mit kalten Anwendungen, gerade über die Füße, besondere Heilerfolge erzielte. Er beobachtete lahmende Rinder, die sich mit ihrem Unwohlsein in eiskalte Bachläufe stellten und zog daraus Schlüsse. Schlau, sich an der Natur zu orientieren, nicht wahr? Nun denn… ;-) Besuche gerne mal einen unserer Workshops und probiere es einfach mal angeleitet aus.